Jakob und der Fünfer auf den Test

Jakob 15 Jahre kommt nach Hause und ist verzweifelt. Er hat in einer Woche den nächsten Chemietest, der erste war auf einen Fünfer. Er weiß nicht, wie er es schaffen könnte, so zu lernen, dass es diesmal besser wird. In der Schule gab es ein Kurzseminar zum Thema „besser Lernen“, da hat ihm wer erzählt wie er es „am besten“ anzugehen hätte. Jakob meint zu seiner Mutter, dass er sich diesen Weg gar nicht vorstellen kann. Sie fragt ihn, ob er sich eine halbe Stunde mit ihr Zeit nehmen will und versuchen will, die Situation aus potenzialfokussierter Sicht zu betrachten. Er bejaht. Die Mutter versucht zuerst sein Ziel zu erfragen. Angenommen die halbe h jetzt mit mir, hätte dir irgendwas gebracht, was wäre das? „Ich wüsste wie ich ordentlich lerne, dass ich eine gute Note hab.“ Was für eine Note wäre gut für dich? „Eine 4 wäre ok!“ Eine 4 möchtest du erreichen? „Nein, ich möchte eine 3 bekommen!“
 
Dann geht sie in das Gefühl, der gelungenen Zukunft. Wie würde sich das anfühlen? Was würde ich dazu sagen? Was Papa? Was deine Kumpels in der Schule? Was die Lehrerin?...
 
Danach versucht sie Ressourcen zu finden. Sie greift dazu auf andere Fächer zurück, in denen es schon gut gelungen ist, für Tests ausreichend und effizient zu lernen, da Chemie erst der zweite Test in dieser Schule war. Wie hast du es geschafft in…. effizient zu lernen? Was hat dir geholfen? Welcher Zeitrahmen? Welche zusätzlichen Dinge, wie Pausen, Art der Pausen, Lernplatz, unterstreichen, wiederholen, lesen, schreiben, Körperhaltung,…. Als er stockt, hilft sie ab und zu nach mit….Mir ist aufgefallen, als du das ….gemacht hast, warst du nachher viel konzentrierter! Stimmt das?
 
Danach versucht sie mit Jakob zu erarbeiten, was davon den Lernerfolg in Chemie, ein wenig bessern würde.
 
Zum Schluss fragt sie ihn, auf welcher Zahl er seinen Lernerfolg einschätzen würde (Skalierung) und warum er schon auf dieser Zahl ist. Wie er es geschafft hat auf diese Zahl zu kommen? Wie zuversichtlich er ist noch eine Zahl weiter zu kommen. Was es dafür noch brauchen würde?
 
Am Ende des Gesprächs fragt Jakobs Mama nach, ob er das Gespräch als hilfreich erlebt hat.  Er meinte, es war zwar etwas „spooky“ mit seiner Mama so zu sprechen, aber er ist zuversichtlich eine 3 oder 4 zu schreiben. Jakob schrieb einen guten 4er! 

gesammelt von Irene Zefferer

Beispiele für eine potenzialfokussierte Sprache mit Kindern

Mit den sprachlichen Formulierungen wird immer wieder und speziell in kritischen Situationen mit Kindern der Fokus auf Gelingendes oder auf die Gefahr und Kritik gelegt. Hier sind ein paar Beispiele, wie sich das Gelingende und der positive Unterschied ganz einfach fokussieren läßt:

Sophie 6 Jahre klettert hoch auf einen Baum im Garten und winkt ihrer Mama von ganz oben. Diese ruft ängstlich hinauf! „Bitte Sophie halt dich wirklich gut fest!“ (statt „fall nicht runter“)
 
Simon 2,5 Jahre will seiner Mama beim Kochen helfen. Grade in diesem Bsp gäbe es viele „NICHT-Sätze“. (greif nicht auf den Herd, nimm nicht das Messer, fall nicht vom Sessel, greif da nicht rein,….usw.) Simons Mama weiß was Simon kann und gibt ihm entsprechende Aufgaben. Ihre Warnungen vor Gefahren spricht sie in Hinweisen aus: Achtung der Herd ist heiß! Bleib ruhig auf dem Sessel stehen! Hier darfst du rühren! Mit diesem Messer schneide ich, mit dem kannst du es probieren!....
 
Konstantin 4 Jahre quängelt, wie schön öfters beim Anziehn!  Statt ein „Wenn du nicht weitertust, kannst du halt nachher nicht….!“ Sagt seine pf Mutter zu ihm: „Konstantin, ich möchte, dass du dich anziehst, weil…..!“ „Was brauchst du, dass es ohne Quängelei heute geht?“ Vielleicht sagt Konstantin drauf: „Dass du mir mit den Socken hilfst!“ oder „Dass du aus dem Zimmer gehst!“
 
Samuel 5 Jahre rangelt und rauft mit seinem Zwillingsbruder Rumi! Als die Mutter das Zimmer betritt sind beide sehr wütend und schlagen sich gegenseitig. Statt „Ich sagte ihr dürft euch NICHT schlagen!!!“ trennt die potenzialfokussierte Mutter die beiden mit einem klaren STOPP! Sie anerkennt ihre Wut! Ich sehe, dass ihr euch beide sehr ärgert. Dann fragt sie sowohl den einen, als auch den anderen was sie voneinander brauchen. Und danach wie sie es schaffen könnten, das ohne Streit und Schlagen zu erreichen.  Wie sie es gestern geschafft haben so ruhig gemeinsam mit dem Playmobilhaus zu spielen. Und wie es konkret ablaufen würde, wenn sie ruhig und friedlich miteinander spielen würden. 

Journalbeitrag in Ö1

Bücher

Potenzialfokussierte Schule in der nächsten Auflage als Buch und E-book erschienen. Enthält die Prinzipien der PFP und die wichtigsten Techniken wie die Potenzialfokussierte Brille für SchülerInnen, PädagogInnen und Eltern.

NEU: Potenzialfokussierte Pädagogik in Kindergärten und Horten....Opens internal link in current windowINFO

Potenzialfokussierter Kindergarten in Sri Lanka

Wir fördern und finanzieren einen Kindergarten in Sri Lanka - damit dort Potenziale der Kinder und Familien sich gemeinsam entwickeln können. Initiates file downloadMEHR....